AK Polizei Nordwürttemberg
 

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06.10.2007, 11:30 Uhr | Presseartikel des Teckboten vom 06.10.2007 Übersicht | Drucken
Jugendliche stark machen, "Nein" zu sagen - Podiumsdiskussion in Esslingen mit Sozialministerin Monika Stolz, Vertreter der Staatsanwaltschaft, der Medizin und des AK Polizei Nordwürttemberg

Das Thema Prävention sehr ernst nehmen, Jugendliche stark machen, "Nein zu Drogen" zu sagen und Eltern unterstützen: Das will die baden-württembergische Sozialministerin Dr. Monika Stolz. Deshalb steht ihre Suchtpolitik auf den drei Säulen "Prävention, Hilfe und Repression", so ihre Aussage bei einer CDU-Veranstaltung in der Stadthalle Kirchheim am Donnerstag, den 04.10.2007

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Die CDU-Veranstaltung "Gesamtgesellschaftliche Auswirkungen der Drogensucht" beleuchtete die Gefahren des Drogenkonsums. In Baden-Württemberg gibt es nach Aussagen der Sozialministerin 270 000 Alkoholabhängige, 150 000 Medikamentenabhängige und 25 000 Cannabis- und Designerdrogenabhängige.

Einig waren sich Sozialministerin Dr. Stolz mit dem Chefarzt der Psychiatrischen Abteilung Nürtingen, Dr. Martin Roser, Staatsanwalt Apostolos Milionis, dem Strafvollzugsbeauftragten der CDU-Landtagsfraktion, MdL Karl Zimmermann, dem Stabsleiter der Polizei, Thomas Lüdecke, und dem CDA-Kreisverbandsvorsitzenden Peter Schuster, über den physischen, psychischen und materiellen Schaden der Drogensucht.

Einig waren sich die Teilnehmer des Podiums aber auch darüber, die illegale Einstiegsdroge Nummer eins, Cannabis, in ihren schädigenden Folgewirkungen nicht zu verharmlosen. Bundesweit konsumierten in den letzten zwölf Monaten zwei Millionen Menschen Cannabis. Dr. Roser sprach in diesem Zusammenhang von 270 000 Abhängigen. "Die missbräuchliche Anwendung von Cannabis hat 2006 ein nie gekanntes Ausmaß einer Drogensucht erreicht." Die Auswirkungen seien wesentlich risikoreicher als früher angenommen. Cannabis, auch als "Haschisch", "Marihuana" oder "Gras" bekannt, kann psychotische Erkrankungen auslösen wie Wahnvorstellungen oder Halluzinationen, Konzentration und Gedächtnis beeinträchtigen und über Depressionen bis zu Suizidgedanken führen. Was den Mediziner vor allem beunruhigte: Immer jüngere Mädchen und Buben greifen zu "Hasch".

Ein besonderes Augenmerk richtet die baden-württembergische Suchtpolitik deshalb auf Jugendliche. "Ihnen werden in der Umbruchphase der Pubertät viele Anpassungsleistungen abverlangt", wusste Dr. Stolz, selbst Mutter von vier Kindern. Mit Alkohol, Zigaretten, aber auch Cannabis wollten sich Jugendliche in dieser Phase abgrenzen "und gleichzeitig erwachsen wirken". In der Regel lassen viele, wenn die erste Neugier befriedigt ist, davon ab. Doch inzwischen gebe es eine besorgniserregende steigende Zahl von Jugendlichen mit einem riskanten Suchtverhalten.

Als oberstes Ziel ihrer Suchtpolitik nannte Dr. Monika Stolz Bestrebungen, den Drogeneinstieg zu verhindern beziehungsweise hinauszuzögern. "Denen, die Hilfe brauchen, muss Hilfe gewährt werden", wobei die Sozialministerin auf die kommunalen Netzwerke der Suchthilfe setzt. "Eine möglichst frühe Intervention verbessert die Chancen einer erfolgreichen Behandlung." Als erfreulich bezeichnete es die Ministerin, dass durch präventive Maßnahmen Fortschritte erzielt wurden. "Die konkrete Entwicklung zeigt dies." Dr. Stolz wies dabei der Aufklärung in der Schule eine wichtige Rolle zu. "Wir müssen Jugendliche darin stark machen, Nein zu Drogen zu sagen und auch die Eltern unterstützen." An dieser Stelle erinnerte Chefarzt Dr. Martin Roser an die vielfältigen Aktivitäten der Suchtprophylaxe des Landkreises Esslingen und die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Polizei.

Die Suchtpolitik sah Dr. Stolz als eine gesamtgesellschaftliche Daueraufgabe an, denn "eine suchtfreie Gesellschaft wird es nicht geben". Sie appellierte an die Erwachsenen, gegenüber Kindern und Jugendlichen ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen. Nicht dreinreden lassen will sich die baden-württembergische Sozialministerin bei der Gesetzgebung zur Suchtpolitik von Europa.

Thomas Lüdecke vom Arbeitskreis Polizei der CDU plädierte dafür, die Präventionsmaßnahmen noch stärker an den Zielgruppen auszurichten. "Es besteht weiterer Handlungsbedarf." Nachhaltig müsse der Handel von Drogen bekämpft werden.

Lüdecke bestätigte, dass Cannabis bei Betäubungsmittel-Delikten "die dominierende Droge schlechthin" ist. 75 Prozent aller konsumaren und über 50 Prozent aller Handelsdelikte gehen auf Cannabis zurück. Während Heroin weiter an Attraktivität verliere, wie die Polizei feststellte, werde die Designerdroge Amphetamin vermehrt konsumiert, vor allem in der Technoszene. Auch Kokain erfreue sich wachsender Beliebtheit.

Von 2005 auf 2006 stellten die Ordnungshüter einen Anstieg von Drogenfahrten von 7 600 auf 9 135 fest, was Lüdecke den vermehrten Kontrollen von Drogen im Straßenverkehr zuschrieb.

Für viele Zuhörer unverständlich war die von Karl Zimmermann berichtete Tatsache, dass es in Haftanstalten Drogenhandel gebe. Dagegen konnte offensichtlich noch nicht wirksam vorgegangen werden.

Nichts von der Heroinabgabe an Schwerstabhängige hielt ein ehemaliger Junkie, der seit über 14 Jahren "clean" ist und in einer christlich ausgerichteten therapeutischen Einrichtung ehrenamtlich Drogenabhängige betreut. Der 40-Jährige, der in einer Kunststoffspritzerei arbeitet, wurde mit 18 Jahren drogenabhängig und erlebte, wie er berichtete, alle Höhen und Tiefen einer Drogenkarriere.
Dennoch wollte er selbst Schwerstabhängige nicht zu den "hoffnungslosen Fällen" zählen. Er appellierte deshalb an die Ministerin und das Publikum, den Kampf gegen Drogen nicht aufzugeben.

Ziel der Veranstaltung war es, wie Moderator Peter Schuster sagte, die Öffentlichkeit für die Gefährlichkeit von Cannabis- und Designerdrogen zu sensibilisieren. Dazu eingeladen hatten neben dem CDU-Stadtverband Kirchheim-Dettingen der Arbeitskreis Polizei der CDU, der Kreisverband der CDA und der evangelische Arbeitskreis der CDU/CSU im Landkreis Esslingen.

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